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Wehrdienst (Königin Augusta Garde Grenadier Regiment Nr. 4) und Kriegsteilnahme

Dieses Thema im Forum "Suche & Info's zu Personen" wurde erstellt von Benjamin16, Apr. 30, 2020.

  1. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Das ist gut möglich. Auch die 8 Kinder könnten ausschlaggebend gewesen sein. Ersatz-Abt. ist also sehr gut möglich.
     
    Benjamin16 gefällt das.
  2. Benjamin16

    Benjamin16 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo zusammen,

    jetzt habe ich hier bei dieser Person doch noch neue Informationen erhalten!

    Hier nochmal kurz zur Auffrischung die Basisdaten:
    Name: Anton Wickert
    Geburtsdatum: 06.01.1880 in Dommershausen (St. Goar)
    Wehrdienst 1900-1902 im Königin Augusta Garde Grenadier Regiment Nr. 4
    Umzug nach Gießen im Jahr 1905

    Und zwar habe ich vom Bundesarchiv bzw. Militärarchiv einen Auszug aus den Krankenbuchlagern erhalten. Diese werfen bei mir wieder einige Fragen auf und ich würde mich sehr über eure Expertise freuen.

    Folgende Informationen habe ich erhalten (Information in grün, meine Fragen in schwarz):

    San.-Einheit: Kriegs-Laz. VII Gr. II Valenciennes
    1) Gibt es weitere Informationen/Aufzeichnungen/Bilder zu dem Lazarett?

    Diensteintritt: 14.09.1916
    Dienstgrad: Landsturmmann

    2) Warum wurde er erst im September 1916 eingezogen?

    Truppenteil: Werf.-Komp. Rekruten-Depot d. 21. Reserve-Division
    3) Handelt es bei „Werf.-Komp.“ um die Minenwerfer-Kompanie Nr. 221 der 21. Reserve Division?
    4) Was bedeutet in diesem Fall Rekruten-Depot?
    5) Kann man davon ausgehen, dass er an den Kämpfen gem. Gefechtskalender der 21. Reserve Division ab 14.09.1916 teilgenommen hat?
    6) Dieser Truppenteil hat nichts mit unseren bisherigen Vermutungen (auf Basis Wohnort) Ers.Btl./LIR116 oder LIR116 zu tun oder?
    7) Besteht ein Zusammenhang bei diesem Truppenteil mit seinem Wehrdienst im Königin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4?

    Zugang am: 14.02.1918 von: Truppe
    Abgang am: 18.02.1918 nach: dienstfähig zur Dienststelle
    Diagnose: leichte körperliche Erschöpfung

    8) Am 12.02.1918 sind zwei seiner Kinder gleichzeitig in Gießen an Diphterie gestorben. Hat er sich dann mit dieser Diagnose „krankschreiben“ lassen, um nach Hause zu fahren (ich weiß aus anderer Quelle, dass er die toten Kinder in den Krippen hat liegen sehen)?
    9) Falls ja, konnte man einfach so aus einem Lazarett „entwischen“ um kurz in die Heimat zu fahren?

    Entschuldigt bitte die vielen Fragen, aber das sind ganz neue interessante Informationen, die ich nicht mehr erwartet hatte!

    Vielen Dank im Voraus und LG,
    Benjamin
     
  3. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Benjamin,
    kann nicht zu allen Fragen Stellung beziehen, aber zu ausgewählten schon.
    Warum er erst im Sept. 1916 eingezogen wurde, kann unterschiedliche Gründe haben. Unabkömmlichkeit am Arbeitsplatz, z.B. oder Erkrankungen oder Verletzungen, die eine temporäre Dienstuntauglichkeit nach sich zog sind nur drei von verschiedenen möglichen. Da er am 14.09.16 seinen Dienst antrat, und zwar, wie Du schreibst im Rekruten-Depot, war er nicht von Anfang an an der Front. Rekruten-Depots waren in der Heimat, Feld-Rekruten-Depots in der Etappe. Dort wurden Soldaten, die aus der Grundausbildung weiter ausgebildet, bzw. Soldaten aus Genesenden-Kompanien wieder frontdiensttauglich fit gemacht.
    In der Regel dauerte das nochmal 3-4 Wochen. Dann geht es zur abschließenden Verwendung, also meistens an die Front. War Not am Mann, verkürzte sich die Zeit im Depot erheblich.
    Ob er dort im Rahmen einer Werfer-Kp. ausgebildet wurde ist möglich, würde aber dafür gerne den Scan aus dem Krankenbuch sehen, was wahrscheinlich nicht möglich ist.
    Fragen 8/9 verstehe ich inhaltlich nicht ganz. Wenn die Kinder am 12.08. verstarben, werden sie nicht sehr lange unbeerdigt geblieben sein. War ja damals anders als heute. Ich denke daher nicht, daß er aus Valenciennes nach Gießen fuhr und dann wieder zurück in kaum 4 Tagen. Ich glaube: Er erfuhr von der Erkrankung, bekam Urlaub, erlebte ihren Tod und wurde darüber krank, kam auf der Rückfahrt dann ins Lazarett, wo er sich vier Tage erholte und dann zur Dienststelle entlassen wurde.
    Gruß,
    Deichkind
     
  4. Benjamin16

    Benjamin16 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Klaas,

    vielen Dank für deine Antwort!

    Mmh ja verstehe, vielleicht waren diese Gründe eventuell seine große Anzahl an Kindern, sein Beruf als Organist/Küster an der Kirche und/oder das er ja schon Landwehr 2. Aufgebot war. Aber natürlich kann man das jetzt nicht mehr mit Gewissheit sagen.

    Da der Eintrag im Krankenbuchlager (leider habe ich vom BA nur ein ausgefülltes Formular und nicht den Originalscan erhalten, siehe Anhang) ja aber erst Februar 1918 war und beim Truppenteil immer noch Rekruten Depot stehen hat, müsste er ja dann (vermutlich auf Basis seiner Erfahrung beim Garde Grenadier Regiment Nr. 4) Ausbilder von Minenwerfern gewesen sein oder? Und es muss ich dann auch um ein Feld-Rekruten-Depot gehandelt haben, da er ja sonst nicht im Lazarett in Valenciennes gewesen wäre.
    Nachtrag: Gerade gesehen, dass in Valenciennes eine Heeres Minenwerfer Schule gegründet wurde.

    Passt eigentlich seine M1915 Bluse vom Foto in meinem Beitrag #34 zu diesem auf dem KBL angegebenen Truppenteil?

    Ah ja, so rum klingt das plausibler mit den Kindern als anders herum!

    Danke und LG,
    Benjamin
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: Aug. 1, 2020
  5. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Ja.
    Ob er Ausbilder war, oder in einer anderen Funktion, muß offen bleiben.
    D.
     
  6. Benjamin16

    Benjamin16 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Klaas,

    ok, danke für die Rückmeldung!

    Wenn im Februar 1918 noch immer Rekruten Depot steht, obwohl der Diensteintritt im September 1916 war, dann wird er wohl Dienst in diesem Rekruten Depot im Bereich der Minenwerfer Kompanie (eventuell aufgrund seiner Ausbildung im Wehrdienst) getan haben (als Ausbilder, Hilfsausbilder oder einen anderen Funktion). Klingt für mich einigermaßen plausibel!

    Könnte die Minenwerfer-Kompagnie Rekruten Depot gleichbedeutend mit der Minenwerferschule Valenciennes sein oder würde dann letzteres auch als Truppenteil in den Krankenbuchlagern stehen? (Ich gehe die ganze Zeit davon aus, dass das Rekruten Depot auch in Valenciennes war, aber das muss es vermutlich nicht zwangsläufig gewesen sein...)

    Ist die 21. Reserve-Division eigentlich preußisch oder vom Großherzogtum Hessen? Oder ist das bei den Divisionen generell "gemischt"? Ich frage weil er ein gebürtiger Preuße ist (Dommershausen), der aber ab 1905 im Großherzogtum Hessen lebte (Gießen).

    Vielen Dank im Voraus!

    LG Benjamin
     
  7. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Die 21. Res. Div. rekrutierte im Wesentlichen aus der preuß. Prov. Hessen-Nassau.
    D.
     
  8. Benjamin16

    Benjamin16 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Klaas,

    ah, vielen Dank für die Info!

    Wie kann ich mir denn ein Rekruten-Depot vorstellen? War das in einer Kaserne?

    Gibt es irgendwelche interessante Literatur zu den drei Themen Rekruten-Depot, Minenwerferschule Valenciennes und Lazarette in Valenciennes?

    Danke und LG,
    Benjamin
     
  9. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Rekruten-Depots waren häufig in den Kasernen der aktiven Regimenter untergebracht, die ja im Felde standen. Die Feld-Rekruten Depots waren in der Etappe in ehemaligen Kasernen der Feinde untergebracht oder in zweckentfremdeten Funktionsbauten, bis hin zu größeren Höfen.
    D.
     
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