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Sielbatterie bei Wilhelmshaven

Dieses Thema im Forum "Formationsgeschichte" wurde erstellt von karli, Apr. 9, 2021.

  1. karli

    karli Sponsor AbzeichenSponsor

    Hier möchte ich eine weiteres Foto zeigen, dass uns Hinweise auf eine alte Befestigungsanlage im 1. Weltkrieg gibt.

    Zu sehen sind Matrosen der 3.Kompanie II.Matr. Artl.-Abteilung, zusammen mit einem voll Brot geladenen Wagen vor einer Bäckerei – Konditorei Reiners - , abgestempelt Horumersiel. (Die Aufschrift Mahlzeit John Bull wurde bei der Herstellung des Fotos eingefügt).
    k-IMG_0002_NEW.jpg
    k-IMG_0001_NEW.jpg

    Wir hatten das Thema bereits schon einmal in einem anderen Zusammenhang.
    https://www.feldgrau-forum.com/threads/8-kompagnie-ii-matr-art-abt-in-horumersiel.38607/#post-185847

    Zum Schutz der in Wilhelmshaven stationierten Flotte wurden vor dem Ersten Weltkrieg rund um den Marinestandort zahlreiche Forts und Küstenbatterien angelegt.
    Siehe auch hier:
    https://www.feldgrau-forum.com/threads/fort-dykhausen.41973/
    Sowie die Seite unseres Mitgliedes "Schlicktau"
    https://www.kaiserlichemarine-wilhelmshaven.de/
    k-anhangkarte1.jpg
    Die Anlage bei Schillig / Horumersiel diente der Abwehr von Schiffen im Mündungsbereich der Jade.
    k-anhangk2.jpg
    So entstanden in Schillig die Deichbatterie (heute Feriendorf), die Wattbatterie (heute Restaurant „Utkiek“) und die Wiesenbatterie (heute Naturschutzgebiet).
    Eine vierte Geschützbatterie war die Sielbatterie bei Horumersiel (hinter der heutigen Straße Am Huf).
    Bau
    Im September 1914 wurden die betroffenen Landwirte darüber informiert, dass die Marine eine Eisenbahn vom Bahnhof Hohenkirchen über Wiarden und Horumersiel nach Schillig bauen wolle, um Material und Munition nachführen zu können. Die Gemeinden Hohenkirchen, Wiarden und Minsen sollten nach dem Krieg die Bahn übernehmen. Darauf konnte man sich aber nicht einigen und so wurde die Strecke als Fortifikationsbahn, also als rein militärische Bahn, gebaut. Die Großherzoglich-Oldenburgische Eisenbahn (GOE) stellte das Personal.
    Das Baumaterial für die Bahnstrecke wurde über die bereits vorhandene Strecke zum Bahnhof Hohenkirchen (heute Friesland-Landtechnik) und den Hafen Horumersiel transportiert. Von Horumersiel aus gelangten die Baustoffe mit Pferdegespannen zur Baustelle. Die Gespanne mussten von den Bauern des Jeverlandes gestellt werden.
    Bereits am 20. Januar 1915 wurde die Trasse als „Privatanschlussbahn“ der Marine abgenommen. Die Bahn unterstand der Aufsicht der Kommandantur Wilhelmshaven.
    (Quelle NWZ 28.2.2014)

    Die Küstenbatterie in Horumersiel wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges errichtet. Vier Geschütze waren auf Betonfundamenten in einer Reihe mit einem Abstand von 20 Metern aufgestellt worden. Die Geschütze befanden sich auf der Rückseite des Deiches und verfügten über eine sie umgebende stählerne Plattform. Zwischen den Geschützen lagen die in den Deich eingelassenen Unterkunftsbunker für die Bedienmannschaften. Mittig zwischen den Geschützstellungen befand sich eine Plattform für den Leitstand mit Entfernungsmessgerät

    Ausbau

    Während der Weimarer Zeit wurden Geschütze mit dem Kaliber 8,8 cm C/13 und 10,5 cm C/16 aus dem Ersten Weltkrieg genutzt. Die Kriegsmarine besetzte die Befestigungsanlage ab 1933 zeitweise für Lehrgänge und Manöver mit 8,8cm Geschützen vom Typ C/30. Die Batterie war nicht für den Ernstfall gewappnet, denn ihre Geschützstände waren in schlechten Zustand und die Ziel- und Richtmittel veraltet.

    Somit war von der alten Anlage so gut wie nichts mehr vorhanden !

    Umbau

    Im Sommer 1939 begann der Umbau zu einer schweren Flakbatterie. Etwa 15 Meter hinter dem Deich wurden zwei Geschützhochbunker, der Leitstand 1 und ein Maschinenbunker errichtet. Der Leitstand 2 wurde nördlich an der Batterie im Deich errichtet. Die beiden mittleren Geschützstände wurden abgebrochen und durch Neubauten ersetzt. Auf den Geschützhochbunkern wurden vier 8,8-cm Flakgeschütze montiert. Die alten Geschützstände am Außenbereich der Batterie erhielten zur Eigensicherung eine Bewaffnung mit 2 cm Flakgeschützen. Beide Leitstände verfügten über ein Entfernungsmessgerät und ein Flakkommandogerät 36. Der alte Munitionsbunker im Seedeich wurdeweiterhin genutzt.

    Hier ein Foto:
    k-batt_horumersiel_alt.jpg
    Quelle: www.bunker-whv.de

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Anlage komplett gesprengt/ abgetragen Reste von Fundamente sind noch vorhanden.
    Siehe hierzu auch:
    http://www.bunker-whv.de/umkreis/horumersiel.html

    Hier noch einige Fotos vom Istzustand der Deichbatterie in Schillig (aufgenommen 2005)
    k-start1_clip_image056.jpg
    Blick auf die Reste der Deichbatterie. Im Vordergrund ist der zu Tarnzwecken angelegte Graben zu erkennen.
    k-start1_clip_image058.jpg
    Das Innere der Deichbatterie
    .
    (Quelle der beiden Fotos plus Kartenausschnitte:Mariengymnasium Jever)

    Zum Schluss noch einen schönen Spruch :

    Wen der liebe Gott will strafen,
    Den schickt er nach Wilhelmshaven.
    Und ist er dort dann nicht willig,
    dann schickt er ihn nach Schillig.

    Gruß
    Rainer
     
    Zuletzt bearbeitet: Apr. 9, 2021
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  2. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Interessante Darstellung.
    Danke dafür.
    D.
     
  3. Schlicktau

    Schlicktau Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Die Festungsbauten in und um Wilhelmshaven: allein das reicht schon an eine Lebensaufgabe heran, zumal Infos und zeitgenössisches Bildmaterial nur sehr sehr spärlich vorhanden sind.

    Hier habe ich zwei Ansichtskarten aus den 50er-/60er-Jahren. Schön zu sehen die damals noch vorhandenen Überreste der Wattbatterie Schillig. Heute ist auch das fast alles verschwunden, es gibt nur noch Reste vom Wall:
    IMG_20210206_0002.jpg



    IMG_20210206_0007.jpg

    Schon vor längerer Zeit habe ich ein Fotokonvolut mit Feldpostkarten aus Schillig erworben. Allerdings sieht man fast immer nur Männekens der Matrosen-Artillerie. Aber auch ein Foto eines Gebäudes (Unterkunft?) der Wiesenbatterie war dabei. Wurde noch bis in die 80er-Jahre vom DRK genutzt. Es ist die bislang einzige zeitgenössische Gebäudeaufnahme, die ich aus dem Bereich Horumersiel/Schillig ergattern konnte
    IMG_20210409_0003.jpg
     
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  4. karli

    karli Sponsor AbzeichenSponsor

    Hallo Frank,

    vielen Dank für deine Ergänzungen ! Ja, auch ich habe gemerkt, dass das Thema Befestigungen an den ehemaligen Marinestützpunkten eine umfangreiche Aufgabe darstellt sei es Nordsee oder auch Ostsee, insbesondere weil kaum oder nur wenig Unterlagen /Fotos aus der damaligen Zeit vorhanden sind.

    Gruß

    Rainer
     
    Zuletzt bearbeitet: Apr. 9, 2021
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