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Das 1500 Mann Orchester Altona 1904 u Laufbahnbeschreibung f. Militärmusiker

Dieses Thema im Forum "Fotos , Alben & Postkarten" wurde erstellt von Deichkind, März 27, 2021.

  1. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo,
    möchte euch heute ein Foto präsentieren, das die größte Menge Militärmusiker auf einem Haufen zeigt, den ich bisher gesehen habe. Aufstellung genommen haben sie im Innenhof der Kaserne des IR 31 in Altona. Ein knappes Viertel der Kaserne steht heute noch. Man sieht hier nur eine Seite der im Quaree gebauten Unterkunft. Auf dem Platz ca 1500 Musiker aus den Einheiten des IX. AK und Einheiten, die am Kaisermannöver 1904 teilnahmen. Anlaß ist die Generalprobe zum großen Zapfenstreich einen Tag später auf dem heutigen Platz der Republik zwischen dem Altonaer Rathaus und dem Altonaer Bahnhof. Auf dem Foto (im Original 30x40cm groß) sieht man genau die Instrumente und Aufstellung, sowie den Dirigenten auf dem extra gebauten Podest. Habe die Militärmusiker mal grob durchgezählt. Da man hier so große Fotos nicht einstellen kann, habe ich die Angaben in das Foto geschrieben. Irgendwo dazwischen befindet sich der damalige Musikmeister (ab 1911 Obermusikmeister Franz Unger vom FAR 45, aus dessem Nachlaß dieses schöne Foto stammt, über das ich mich sehr freue.
    Unten links im Bild 9(!) Schellenbäume. Vielleicht erinnert ihr euch, daß es hier einen Faden zum Thema Schellenbäume gibt. Bei ca. 600 Trommlern und etwa 850 Blechbläsern hat man sie bestimmt bis nach Hamburg gehört.
    Deichkind
    xxZapfenstreich.jpg
     
    karli, Mainschiffer und Alpenkorps1915 gefällt das.
  2. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Das ist mal ein Hammerbild! Genial! Das gehört eingerahmt anne Wand!
     
  3. karli

    karli Sponsor AbzeichenSponsor

    Hammerbild. Finde ich immer beeindruckend wenn mehre Kapellen zusammen spielen. Gibt es ja heute auch noch. Zum Bsp. in den Berliner Militär Musikfest. Ist echt beeindruckend.

    Gruß Rainer
     
  4. Charlie2

    Charlie2 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Echt ein klasse Foto, danke für‘s zeigen.

    Ja, bei mir :)

    Gruß
    Charlie
     
  5. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    :D
     
  6. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Moin zusammen,
    freue mich sehr, dass euch das Foto anscheinend ebenso gefällt wie mir.Muß noch mal was scannen, dann kann ich die Geschichte weiter erzählen.
    D.
     
  7. Charlie2

    Charlie2 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Optisch und akustisch.

    Gruß
    Charlie
     
  8. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    So,
    hier die Fortsetzung.
    Auf dem Foto seht ihr hier die 27 Stabstrompeter bzw. Stabshoboisten, die an dem Zapfenstreich in Altona 1904 beteiligt waren. Mittig sitzt dazu der 1. Armee-Musik-Inspizient Gustav Roßberg, der bis zu seinem Tod für die Durchführung der Großen Zapfenstreiche der Kaisermannöver verantwortlich zeichnete.
    Da ich davon ausgehe, dass nicht alle Foristen mit der Laufbahn-Beschreibung der Militärmusiker vertraut sind hier ein kurzer Abriß nach Kraus (Feldgrau) S. 304ff, 1003 und weiteren Recherchen:
    Jedes Regiment oder selbständiges Bataillon hatte ein Musikkorps (bei den Berittenen Trompeterkorps genannt). Es unterstand direkt dem Stab der jeweiligen Einheit und unterstand bis 1909 dem Stabshoboisten bzw. Stabstrompeter (berittene Einheiten), ab 1909 dem Musikmeister oder Obermusikmeister. Zum Obermusikmeister wurden die Musikmeister nach fünf Jahren im Amt regelhaft befördert, wenn sie sich nichts zu Schulden hatten kommen lassen. Stabshoboisten bzw. Stabstrompeter, später Musik- und Obermusikmeister waren länger dienende Berufsmusiker. Im Unterschied zu den von ihnen befehligten Hoboisten und Hornisten, (bei den Berittenen Trompetern), die ebenfalls Berufsmusiker waren, hatten Stabshoboisten bzw. Stabstrompeter, später Musikmeister, regelhaft und meistens auf Befehl des Militärs, ein dreijähriges Musik-Studium an der Hochschule für Musik in Berlin absolviert, nachdem sie als Hoboisten, Hornisten oder Trompeter in den Militärdienst eingetreten waren und sich in dieser Zeit für eine höhere Verwendung empfohlen hatten. An der Spitze des Militärmusikwesens standen der 1. und 2. Armee-Musik-inspizient, die direkt dem Kriegsministerium unterstellt waren. Während der 2. Armee-Musik-Inspizient hauptsächlich als Professor an der Musikhochschule in Berlin lehrte und ansonsten den 1. AMI unterstützte, hatte der 1. AMI hauptsächlich Verwaltungsarbeiten, die Lehre an der Musikhochschule und in dritter Linie praktische Musikaufgaben zu bewältigen. Er hielt Fühlung zum Kaiser und unterrichtete und beriet diesen und das Kriegsministerium in allen militärmusikalischen Fragen. Außerdem fungierte er als Repräsentant des Militärs als Schnittstelle zu hohen und höchsten Zivil-Musik-Institutionen. Bis 1909 waren Musikmeister und Obermusikmeister den etatmäßigen Feldwebeln gleichgestellt. Sie hießen bis dahin Stabstrompeter oder Stabshoboisten. Ihre Uniform war bis zu diese Zeitpunkt abgesehen von den Schwalbennestern und den Fransen denen der Unteroffiziere mit Portepee ähnlich. 1909 dann wurden sie mit der neuer Dienstgradbezeichnung "Musikmeister" aufgrund ihrer akademischen Bildung dienstgradmäßig zwischen dem Leutnant und dem etatmäßigen Feldwebel angesiedelt. Deshalb trugen sie auch Offiziersuniformröcke ohne Tressen. Beim Ausscheiden aus dem Dienst wurden verdiente Obermusikmeister als Leutnant charakterisiert, ähnlich wie verdiente Bezirksfeldwebel. Die ihnen unterstellten Hoboisten, Hornisten und Trompeter waren als länger dienende Berufssoldaten Sergeanten oder Unteroffiziere. Hilfs-Hoboisten, Hornisten und Trompeter rekrutierten sich aus dem Etat und waren entweder Uffze oder hatten einen Mannschaftsdienstgrad. Dazu gesellten sich die dienstpflichtigen Spielleute im Mannschaftsrang, die entweder als Trommler fungierten, oder mit Signalhörnern- bzw Trompeten ausgestattet waren und unter Leitung eines Bataillonstambours (im Uffz-Rang) für die Signalübermittlung zuständig waren und beim Exerzieren und Marschieren den Takt vorgaben. Allerdings unterstützten sie bei normalen Paraden (und wie auf meinem Bild zu sehen) eben auch beim Zapfenstreich die Berufsmusiker.
    Die Schulterstücke der Musikmeister und Obermusikmeister waren trotz der unterschiedlichen Uniformen der verschiedenen Truppenteile des Heeres einheitlich. Auf einem Geflecht von Kantschnüren, bei Obermusikmeistern mit Durchzügen, prangte neben Nummer oder Chiffre des Regiments bzw. des selbständigen Bataillons das Abzeichen einer Lyra. Der 2. Armee-Musik-Inspizient trug zusätzlich dazu einen Rangstern, der 1. AMI deren zwei. Erster war im Rang vergleichbar mit einem Oberleutnant, letzterer mit dem eines Hauptmanns.
    Der 1. Armee-Musik-Inspizient Gustav Roßberg starb nach 50 jähriger Dienstzeit als Militärmusiker 1910 und wurde von Theodor Grawert abgelöst, der 1927 verstarb. Daran sieht man die ungewöhnliche Kontinuität in der Amtswaltung an höchster Stelle der Militärmusik im Kaiserreich.
    Vielleicht waren ja die Ausführungen zu diesem Randbereich der Heereskunde für den einen oder anderen von Interesse. Demnächst werde ich euch den Lebensweg eines Musikobermeisters aus Altona vorstellen, der ebenfalls auf eine lange, erfolgreiche und in vielerlei Hinsicht typische Karriere als Militärmusiker zurück blicken konnte, als er 1920 nach 33 jähriger Dienstzeit aus dem Militärdienst ausscheiden mußte. In diesem Zusammenhang werde ich näher und spezifischer auf die Tätigkeiten eines Musikmeisters eingehen. Auf dem Foto sieht man mittig mit weißem Bart den 1. AMI Roßberg, links stehend dahinter den damligen Musikmeister Franz Unger vom FAR 45.
    Deichkind
    xArmee_Musik_Inspizient Musikmeister  Kaisermanöver Altona 1904 .jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: März 27, 2021
    Charlie2, karli und Edelweiß21 gefällt das.
  9. Edelweiß21

    Edelweiß21 Fachgebiet Großherzogtum Oldenburg AbzeichenUser

    Deine Scanqualität gefällt mir sehr gut! Das obere ist ja mal richtig richtig hammer!!

    30x40cm ist ja nicht gerade klein. Darf ich fragen was Du für einen Scanner benutzt?

    Gruß
    Denis
     
  10. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo,
    freut mich, daß Dir mein Beitrag und das Foto gefallen. :)
    Siehe PN.
    D.
     
  11. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Sehr schönes Bild und gute Erklärungen! Super!!!
     
  12. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Interessant auch, daß auf dem großen Bild neun Schellenbäume zu sehen sind.
    Mir sind im IX.AK folgende Schellenbäume bekannt (ich habe aber auch nicht sämtliche Literatur um Vollständigkeit zu garantieren):

    IR75: Bis 1911 den vom Btl. Bremen 1815 erbeuteten Schellenbaum. Ab 1911 bekam das Regiment von der Stadt Bremen einen neuen geschenkt.
    IR76: Schellenbaum 1871 von der Stadt Hamburg geschenkt bekommen
    IR84: 1000 Thaler von den Einwohnern Schleswigs für Schellenbaum erhalten (Datum nicht bekannt)
    FR86: 1000 Thaler von Pr.Lt. Fuhrenkamp für Schellenbaum (Datum unbekannt)
    FR90: 27.1.70 Schellenbaum von Großherzogin Marie geschenkt bekommen.

    Wobei sich mir wieder die Frage stellt, warum es keine offizielle Lister sämtlicher Schellenbäume bis 1918 gibt. Oder ist sie mir nur nicht bekannt?
    https://www.feldgrau-forum.com/threads/schellenbaum.39218/
     
    Edelweiß21 gefällt das.
  13. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Andreas,
    danke für die von Dir erstellte, interessante Liste zu den Schellenbäumen.
    Mir ist keine generelle Aufstellung bekannt.
    Schöne Grüße,
    Deichkind
     
  14. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo!
    Freue mich über euer anhaltendes Interesse. Daher jetzt zum Abschluß der eingestellten Fotos in diesem Thread von meiner Seite nach dem Generalproben-Foto und dem Foto der Stabstrompeter und -hoboisten jetzt quasi als Tusch zum Abschluß, der Große Zapfenstreich auf dem heutigen Platz der Republik in Altona, heute HH-Altona. Die beschriebene Gebäudekonstellation gibt´s heute noch, wenn auch (bis auf das Rathaus mit dem Denkmal davor) die Gebäude jetzt andere sind. Der Altonaer Bahnhof ist nach dem Neubau heute einer der scheußlichsten Betonklötze, wo gibt. Auf dem Podest der Armee-Musik-Inspizient.
    Wünsche eine gute Woche!
    Deichkind
    Zapfen klein copy.jpg
     
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  15. Edelweiß21

    Edelweiß21 Fachgebiet Großherzogtum Oldenburg AbzeichenUser

    Wahrlich ein eindrucksvolles Bild! Danke auch hier fürs Zeigen! Da kann man sich wirklich lange vorsitzen, und findet immer wieder etwas Neues.
     
  16. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Danke!
    Und wenn man den Platz kennt, ist der Vergleich sehr interessant. Leider kein aktuelles Foto zur Hand.
    D.
     
  17. Edelweiß21

    Edelweiß21 Fachgebiet Großherzogtum Oldenburg AbzeichenUser

    Wenn Du mal eines haben solltest, wäre ich sehr dankbar, wenn Du es hier mal einstellst. Würde mich sehr freuen. Solche Neu/Alt Vergleiche sind immer toll.

    Gruß
    Denis
     
  18. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Mal schauen, was ich tun kann. Die Aussicht aus dem Rathaus ist nicht jedem gegeben, da dort die Büros der Bezirksverwaltung untergebracht sind.
    D.
     
  19. Edelweiß21

    Edelweiß21 Fachgebiet Großherzogtum Oldenburg AbzeichenUser

    Ich verstehe, ich bin gespannt! Ich werde hier in die Richtung auch demnächst mal etwas posten, habe die Tage ein Foto geschossen, welches sich gut verarbeiten lässt. Aber das nur am Rande!

    Gruß
    Denis
     
  20. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Dito!
    Deichkind
     
    Edelweiß21 gefällt das.
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